Austausch der Feuerwehr und des ehemaligen Jugendspielmannszuges vom
31. Juli bis 5. August 2014
in Loué mit der Feuerwehr und
dem "Orchestre de la Vègre"

 

Tolle Tage bei Freunden in Loué verbracht

Freiwillige Feuerwehr und Jugendspielmannszug pflegen seit 45 Jahre Austausch 31.07.2014 bis 05.08.2014

 

von Harro Hartmann

Harpstedt/Loué.
Wiederum erlebten Harpstedter einen lebendigen und erlebnisreichen Besuch in Loué/Frankreich. Nach der langen, problemlosen Busfahrt traf die Delegation der Freiwilligen Feuerwehr und Mitglieder des (leider) aufgelösten Jugendspielmannszuges am Donnerstag letzter Woche um 12.35 Uhr in Loué ein. Am Dienstagabend trafen die Reisenden dann kurz nach 23.00 Uhr voller toller Erlebnisse wieder in Harpstedt ein.

Die Gastgeber erwarteten die Gäste beim Centré Culturel und bereiteten ihnen einen ganz herzlichen Empfang. Die Wiedersehensfreude war groß, denn die Mehrzahl kannte sich von vielen gegenseitigen Besuchen. Seit 45 Jahren pflegt die Harpstedter Feuerwehr mit ihrem Jugendspielmannszug die Partnerschaft mit der Louéser Feuerwehr (Sapeurs-pompiers) und dem Orchestre de la Vegre. Diese Tatsache betonte Bürgermeister Dominik Croyeau während seiner Begrüßungsrede und unterstrich, dass die Feuerwehren und die Musikgruppen die aktivsten Gruppen der Partnerschaft Harpstedt - Loué sind und sich in regelmäßigen Abständen treffen. Er dankte den örtlichen Organisatoren für das abwechslungsreiche Programm einschl. eines Tagesausfluges und lud die Harpstedter zum Jubiläum im Oktober nach Loué ein.

Nach einem Begrüßungswein waren die Quartiere schnell verteilt und den Rest des Tages konnten die doch teils müden Reisenden in den Familien verbringen. Bevor der Abend in den Gastfamilien ausklingen konnte, stand noch ein Begrüßungswein im Feuerwehrhaus auf dem Programm. Mit Interesse wurde die wiederum ergänzte Ausrüstung der Sapeurs-pompiers de la Loué in Augenschein genommen (siehe Bild).

Das vor rund dreißig Jahren erbaute Feuerwehrhaus ist schon zu klein, dennoch können alle Fahrzeuge mit Geschick untergebracht werden. Hier bei uns hätte die Feuerwehr-Unfallkasse eine solche Praxis schon längst untersagt.

 


Jannik Stiller probierte die Schutzausrüstung einschließlich Feuerwehrhelm an.
Anthony Mussard (r.) zeigte ihm die Handhabung

 

Als erstes Ausflugsziel erwartete die Harpstedter vierzigköpfige Feuerwehrdelegation die Stadt Le Mans. Es begann mit einem kleinen Rundgang durch die wunderschön restaurierte Altstadt von Le Mans. Sehenswert war die Kathedrale. Schon bald stand das Mittagessen in Form eines Picknicks auf dem Programm. Hierzu ging die Fahrt in den Park "Arche de la Nature", einem großen Waldgebiet vor den Toren Le Mans. Auf der "Arche de la Nature", eigentlich ein großer landwirtschaftlicher Betrieb, der sich auf die Erhaltung und Züchtung von Tieren spezialisiert hat und diese der Öffentlichkeit vorstellt. Das Waldgebiet dient der Naherholung. Große Grünflächen im Wald laden zum Picknick und verweilen ein. Vom Picknickplatz aus unternahmen die Gastgeber mit einem Großteil der Harpstedter einen Spaziergang durch den Wald zum Hof. Interesse fand auch der Mustergarten mit unzähligen Pflanzen und seltenen Kräutern. Die Sonne sorgte für hochsommerliche Temperaturen. Ein gemeinsames Abendessen mit mehrgängigem Menü rundete diesen Besuchstag ab.

 

     
Sehr beeindruckend war die Illumination in Le Mans. Hier Bilder von der angestrahlten Kathedrale.

 

Eine Wanderung nach Mareil und Grillparty im Prés Marais gegenüber dem Freibad in Loué stellte den sportlichen Teil des umfangreichen, sehr abwechslungsreichen Besuchsprogramms in Loué dar. Doch ein heftiger Gewitterschauer durchkreuzte die Pläne der Gastgeber und das Essen musste in das Centré Culturel verlegt werden. Nach dem Genuss des Grillgutes wurden lustige Spiele auf einer Fläche neben dem Festsaal gemacht. Tauziehen, Dosenwerfen, Partner/in mit verbundenen Augen durch einen Parcours dirigieren und einen Bonbon mit dem Mund aus einer Schüssel mit Mehl "fischen". Am Abschiedsabend gab es dann die Siegerehrung und die Gastgeber erklärten die deutschen Freunde als Sieger und überreichten zahlreiche Präsente. Vor dem Abendessen gab es noch ein kleines Konzert des Orchestré de la Vegré und ein netter Abend rundete den Tag ab.

 

     
Eine Auswahl von Männern und anschließend Frauen der Harpstedter und Louéser mussten sich beim Tauziehen messen.

 

Total erschöpft und voller erlebnisreicher Eindrücke kamen Gastgeber und die Harpstedter Gäste von der Tagesfahrt an die Atlantikküste der Normandie zurück. Bereits wenige Minuten nach 7:00 Uhr starteten zwei Busse des örtlichen Unternehmens in Richtung Normandie. In Bajeux war der erste Stopp, aber nur um die Reiseleiterin aufzunehmen. Diese und ihr Kollege begleiteten die Ausflügler den ganzen Tag und gaben umfangreiche, teils detaillierte Informationen zu den Abschnitten der Landungsstrände entlang der Küste vom 6. Juni 1944, also vor 70 Jahren. Dieses Ereignis hatten die Franzosen gebührend gefeiert. So erfuhren die Harpstedter viel über die Geschichte der Landung und die Wendung des zweiten Weltkrieges. Es ging zum Friedenspark, einem großen deutschen Soldatenfriedhof, der vom Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge angelegt wurde und unterhalten wird. Bei der Mehrheit der deutschen Besucher trat hier doch eine Beklemmung ein. Später in Sainte Mére I'eglise gab es ein Museum mit der Kriegsmaschinerie, die insbesondere die Amerikaner bei der Landung verwendeten. Mit dem Bus ging es dann entlang der Küste zum "Pointe du Hoc", einem Verteidigungsabschnitt der deutschen Wehrmacht, von dem die ganze Bucht einsehbar war. Der zerbombte Küstenabschnitt ist hier erhalten und Spazierwege führen durch das Gebiet. Die von den Deutschen erbauten Bunkeranlagen konnten besichtigt werden und die Reiseleiterin erläuterte die Funktionen einzelner Bauwerke, teils zerstört, teils erhalten und restauriert. Am Landungsabschnitt Utah-Beach wurde dann wiederum ein Picknick eingenommen und einige Harpstedter und Franzosen nutzten die Gelegenheit, ein Bad im Atlantik zu nehmen. Nächstes Ziel war der Landungsabschnitt Ohama-Beach und der 70 Hektar große amerikanische Soldatenfriedhof mit 9.387 Grabkreuzen. Tief beeindruckt wurde die Fahrt zum Abendessen in Arromanches fortgesetzt. Vom Lokal konnte man einen herrlichen Blick auf den Ärmelkanal werfen. Aber auch hier ragten Zeugen des Krieges aus dem Meer. Die Reste des künstlich angelegten Hafen sind je nach Wasserstand mehr oder weniger zu erkennen. Kurz nach Mitternacht war dann endlich Loué erreicht und müde, erschöpft, aber voller tiefgehender Eindrücke wurden die Quartiere aufgesucht.

 

     
Die Harpstedter bekamen am Pointe du Hoc an der Atlantikküste Reste ehemaliger Geschützstände
und ein riesiges Bombenkraterfeld gezeigt.

 

Kaum richtig miteinander warm geworden, wie man so landläufig sagt, stand das Abschiedsessen auf dem Programm. Nach dem musikalischen Genuss der Darbietungen des Orchestré de la Vegré, verstärkt durch einige ehemalige Harpstedter Spielleute, zeigten auch diese mit einem Musikstück, dass sie das musizieren noch nicht verlernt haben. Orchesterleiter Jacky Bassereau freute sich, dass die Harpstedter Spielleute ihre Instrumente mitgebracht hatten und wünschte sich, dass beim nächsten Treffen wieder mehr aktiv dabei sind. Kerstin Wolle und Maik Bitter überreichten dann das Gastgeschenk, einem Grillset bestehend aus zahlreichen verschiedenen Soßen, Fleisch (jedoch eingefroren und nicht auf der Bühne) und ein Buch mit Kochrezepten für einen zünftigen Grillabend des Orchesters.

 

     
Kerstin Wolle (l.) dirigierte beim Spiel vom Orchestré de la Vegré, die von ehemaligen Harpstedter Spielleuten unterstützt wurden. Zum Schluss wurde das Gastgeschenk von Kerstin Wolle und Maik Bitter überreicht

 

Auch die Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt unter der Führung von stv. Ortsbrandmeister Jürgen Wachendorf überreichte das von Friedel Horstmann erstellte hölzerne Feuerwehrauto. Es wurde richtig spannend gemacht, denn das Modell war in einem extra gebauten Transportkoffer verpackt. Friedel Horstmann entfernte die Verpackung langsam während der Dankesworte von Jürgen Wachendorf, übersetzt ins Französische von Wiebke Wachendorf (Hauptdolmetscherin der Reise). Jürgen Wachendorf bedankte sich für das umfangreiche und sportlich unterhaltsame, aber auch ernste und informative Programm, dass die Harpstedter während des Besuches geboten bekamen und genießen konnten. Er lud die französischen Freunde zu einem Gegenbesuch im Jahre 2016 nach Harpstedt ein. Lieutnant Jérome Houdayer (Chef der Loueser Feuerwehr) bedankte sich für das unvergleichliche Geschenk und versprach 2016 auch nach Harpstedt zu kommen. Aus familiären Gründen war es ihm nicht möglich gewesen das Programm in Loué an allen Tagen zu begleiten. Die Organisatoren Anthony Mussard und Philippe Corbes schlossen sich den Worten an und hoben hervor, dass es toll war, mit Freunden ein paar schöne Tage zu verbringen.

 


Die Gastgeber der Feuerwehr Loué freuten sich über das einmalige Gastgeschenk, dass Friedel Horstmann gefertigt hat.
Stellv. Ortsbrandmeister Jürgen Wachendorf, der während des Auspackens Dankesworte für das erlebnisreiche
Programm an die Gastgeber richtete.

 
     

 

Abschließend brachte Bürgermeister Dominik Croyeau (1.) zum Ausdruck, dass das gegensätzliche Programm einen bleibenden Eindruck hinterlassen werde. Nochmals sprach er die schon 45 Jahre andauernde Partnerschaft der beiden Gruppen, Feuerwehr und Musik, an und wünschte sich für die kommenden Jahrzehnte viele junge Menschen, um den Austausch fortzuführen. Er wünschte den Harpstedtern eine gute Heimreise und ein Wiedersehen zum Jubiläum im Herbst in Loué.
 

Wiebke Wachendorf (Mitte, zurzeit Schwanger) war die "Haupt-Dolmetscherin" während des Austausches   -   Danke!

 

Text und Bilder: Harro Hartmann